Evidenzbasierter Praxisleitfaden · Stand August 2026
Nierenkrank leben
Orientierung von chronischer Nierenkrankheit bis Transplantation – für Betroffene und Angehörige. Was selbst beobachten? Wie vorbeugen? Was beim nächsten Termin fragen? Wann sofort handeln?
Sofort- und Notfallkarte
Wann sofort handeln?
Schwere Atemnot, Brustschmerz, Verwirrtheit
Auch bei Krampfanfall, Ohnmacht oder kaum Urin mit deutlicher Verschlechterung: 112 rufen. Medikamentenliste und Nieren- oder Dialyseausweis mitnehmen.
PD: trüber Ablaufbeutel
Sofort das PD-Zentrum anrufen – auch ohne Schmerzen oder Fieber. Beutel für die Untersuchung aufbewahren, Behandlung nicht aufschieben.
HD: Shunt schwirrt nicht mehr oder blutet stark
Fehlender Thrill: sofort das Dialysezentrum kontaktieren. Starke Blutung: mit kleiner sauberer Kompresse direkt auf die Stelle drücken, 112 rufen, Druck halten – den Arm nicht abschnüren.
Nach Transplantation: Fieber oder weniger Urin
Auch bei Transplantatschmerz, rascher Gewichtszunahme oder ausgelassener Immunsuppression: noch am selben Tag das Transplantationszentrum kontaktieren. Abstoßung kann ohne Beschwerden auftreten – Kontrollen nie auslassen.
Gut zu wissen
Die fünf wichtigsten Erkenntnisse vorab
Verlauf statt Einzelwert
eGFR und Albumin im Urin müssen zusammen mit Ursache, Trend, Blutdruck und Beschwerden beurteilt werden. „15 Prozent Nierenfunktion“ ist eine alltagssprachliche Näherung, kein exakter Messwert.
Dialysebeginn nach klinischer Lage
Ein niedriger eGFR-Wert allein bestimmt den Start nicht. Ausschlaggebend sind urämische Beschwerden, Flüssigkeitsüberladung, gefährliche Elektrolytstörungen und fortschreitende Mangelernährung.
Früh planen, Optionen offenhalten
Transplantationsabklärung, Dialyse-Schulung und Zugangsplanung sollen beginnen, bevor eine Notfallsituation entsteht.
PD und HD sind unterschiedliche Lebensmodelle
Beide können medizinisch wirksam sein. Entscheidend sind Eignung, Alltag, Selbstständigkeit, Unterstützung und persönliche Ziele – nicht die Vorstellung, ein Verfahren sei für alle überlegen.
Transplantation ist Behandlung, keine Heilung
Für geeignete Menschen meist die bevorzugte Nierenersatztherapie – sie erfordert aber lebenslange Nachsorge, zuverlässige Immunsuppression, Infektionsschutz und Krebsfrüherkennung.
Einordnung
Die GFR-Stadien im Überblick
Die CKD wird nach Ursache, GFR-Kategorie und Albuminurie beschrieben. Die eGFR ist eine Schätzung – ein einzelner niedriger Wert ist noch keine chronische Diagnose.
eGFR in ml/min/1,73 m² · Einteilung nach KDIGO 2024. Dazu kommt die Albuminurie-Kategorie A1–A3 (Urin-Albumin/Kreatinin-Quotient).
Der Leitfaden in fünf Kapiteln
Lies das Kapitel, das gerade zu dir passt
Lesetipp: zuerst die Notfallkarte, danach das eigene aktuelle Kapitel. Jedes Kapitel schließt mit den Fragen, die beim nächsten Termin weiterhelfen.
Allgemeine Informationen
Was die Nieren leisten, eGFR und Albuminurie, häufige Ursachen, Ernährung ohne Einheitsdiät, Medikamente und Impfungen.
Prädialyse
Risikobasiert planen, alle Behandlungswege vergleichen, Zugang und Transplantation rechtzeitig vorbereiten, konservative Behandlung als Option.
Peritonealdialyse
CAPD, APD und assistierte PD, Katheter und Training, tägliche Selbstkontrolle, Peritonitis früh erkennen, Alltag und Reisen.
Hämodialyse
Zentrum-, Heim- und Nacht-HD, Gefäßzugänge, tägliche Shuntkontrolle, Verhalten vor, während und nach der Behandlung.
Nierentransplantation
Abklärung und Warteliste, Lebendspende, Immunsuppression, Abstoßung erkennen, langfristige Nachsorge.
Wichtiger Hinweis
Dieser Leitfaden ersetzt keine persönliche Diagnose, Verordnung oder Notfallbehandlung. Flüssigkeit, Ernährung, Dialyse und Immunsuppression niemals eigenständig ändern. Bei schweren Symptomen die 112 rufen. Grundlage sind internationale und deutsche Leitlinien – unter anderem KDIGO, ISPD, AWMF/DGfN und die BÄK-Richtlinie zur Nierentransplantation – mit Recherchestand 26. August 2026.